Ein Anlass, der auf eine Lebensrealität aufmerksam macht, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft wenig Beachtung findet.
"Es gibt Entscheidungen im Leben, die von außen nur schwer begreifbar sind und die doch von außergewöhnlicher Stärke und innerer Größe zeugen", sagt Yvonne Fritz, Vorständin des SkF Gesamtverein und weißt darauf hin, dass Herkunftsmütter besondere Aufmerksamkeit verdienen: "Die Entscheidung, ein Kind gehen zu lassen, ist für viele Frauen mit Schmerz, Zweifel und lebenslanger Verbundenheit verbunden. Und zugleich kann sie Ausdruck von Fürsorge, Mut und Verantwortungsbewusstsein sein. Diese Ambivalenz muss gesehen werden, jenseits von Vorurteilen und vorschnellen Bewertungen."
Um diese Perspektive sichtbar zu machen, haben die Adoptions- und Pflegekinderdienste in katholischer Trägerschaft eine bundesweite Briefaktion initiiert. Nach der großen Resonanz im vergangenen Jahr wurde das Format 2026 zum zweiten Mal durchgeführt.
Pflege- und Adoptiveltern verfassten dabei symbolische Briefe an die Herkunftsmütter ihrer Kinder. Briefe, die nicht versendet werden, aber eine klare Botschaft tragen: Dankbarkeit, Respekt und Anerkennung. Sie stehen stellvertretend für die Haltung vieler Familien, die die Entscheidung der Herkunftsmütter als prägend und bedeutsam für das Leben ihrer Kinder begreifen. Eine Auswahl dieser Briefe ist im Anhang dieser Mitteilung veröffentlicht.
Die Briefe sind leise Botschaften, in denen sichtbar wird, was im Alltag oft keinen Raum findet: die Verbindung zwischen zwei Lebenswelten, die durch ein Kind untrennbar miteinander verbunden sind.
Herkunftsmütter bleiben in der gesellschaftlichen Wahrnehmung häufig unsichtbar oder werden missverstanden. Die Aktion setzt hier bewusst an und rückt ihre Perspektiven in den Fokus.
Die Entscheidung, ein Kind in andere Hände zu geben, ist für die betroffenen Frauen oft mit tiefgreifenden emotionalen Herausforderungen verbunden. Gleichzeitig ist sie in vielen Fällen
Ausdruck von Verantwortung, Fürsorge und dem Wunsch, dem Kind ein gutes und sicheres Aufwachsen zu ermöglichen.
Die im Rahmen der Aktion entstandenen Briefe der Adoptiv- und Pflegefamilien machen deutlich, dass diese Entscheidung mit großem Respekt betrachtet wird. Sie zeigen, dass Herkunftsmütter eine bleibende Bedeutung für das Leben des Kindes haben und in Gedanken und im Herzen vieler Familien präsent sind.
Der Tag der Herkunftsmütter, der ursprünglich 1990 in den USA ins Leben gerufen wurde, lädt dazu ein, über die vielfältigen Formen von Mutterschaft nachzudenken und gesellschaftliche Anerkennung für unterschiedliche Lebensrealitäten zu stärken.
Auch über den Aktionstag hinaus wird das Thema weitergetragen: Sowohl im Rahmen des Katholikentags als auch auf dem Caritaskongress wird die Situation von Herkunftsmüttern aufgegriffen und öffentlich thematisiert.
Mit der erneuten Durchführung der Briefaktion setzen die beteiligten Dienste ein klares Zeichen: Herkunftsmütter verdienen Sichtbarkeit, Respekt und ein öffentliches "Danke".