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Entwicklungspsychologische Beratung

Videogestützte Beratung  -
Erfahrungen und Ergebnisse im Bereich Mutter und Kind


Seit Herbst 2005 sind wir dabei die Methode der videogestützten Beratung kennen zu lernen und in unsere Arbeit zu integrieren. Ziel des Projektes ist, dass alle päd. Mitarbeiterinnen die  Methode anwenden und einsetzen können.
Die Videogestützte Arbeit ist eine Beratungsform, bei der kurze Videosequenzen aus dem Alltagsbereich von Mutter und Kind aufgenommen und später davon Ausschnitte die eine positive Interaktion zwischen Mutter und Kind zeigen, zusammen mit der Mutter angesehen und besprochen werden.

Grundsätzlich basiert der Ansatz auf kompromisslose Wertschätzung für Mutter und Kind.
Die positiven Elemente der Mutter-Kind-Bindung werden hervorgehoben und damit werden Elternkompetenz und das Selbstwertgefühl gestärkt.

Eine Besonderheit dieser Methode besteht darin, dass die Mutter selbst – nicht über die Interpretation der Beraterin - die Interaktion zwischen sich und ihrem Kind sehen, erleben
und einschätzen kann. Bei dieser Vorgehensweise wird vor allem das elterliche Feingefühl wird geübt, indem beispielsweise stärker auf die Signale des Kindes geachtet wird.


Für das Gelingen sind folgende Voraussetzungen wichtig:

Es bedarf einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung zwischen Betreuerin und Mutter.
Die Sichtung der Aufzeichnungen sollte vor dem Gespräch mit der Mutter gründlich und mehrmals mit Fachkolleginnen angesehen werden.
Nur gelungene Interaktionen zwischen Mutter und Kind werden herausgegriffen und besprochen


Warum möchten wir diese zeitintensive Methode anwenden und ausbauen?

Wenn die Mutter gemeinsam mit der Betreuerin die Aufzeichnungen sieht und kommentiert, bietet es die große Chance Signale ihres Kindes selbst zu erkennen und dessen  Perspektive einzunehmen. Die Vorgehensweise verpflichtet auch die Pädagogin Bewertungen zu unterlassen, das Sehen und Verstehen der Interaktion steht im Mittelpunkt.

Die Frauen sind immer wieder über das bei den Aufzeichnungen Gesehene überrascht. Öfters besteht eine Diskrepanz zwischen der eigenen Selbstwahrnehmung und den Umgang mit ihrem Kind und in den Videoaufzeichnungen. Mit dem Sehen kann die notwendige Distanz entstehen, sich selbst zu betrachten, sich an der gelungenen Sequenz mit dem Kind zu erfreuen, gegebenenfalls Einschätzungen zu korrigieren und die Situation neu zu verstehen.


Videobetrachtung mit Frau A Mutter eines 2 Monate alten Sohnes beim Wickeln:

Frau A sieht die gelungenen Interaktionen zwischen sich und ihrem Sohn

der zugewandte, freundliche Blickkontakt
der angemessene Gesichtsabstand von Mutter und Kind
der behutsame, ruhige Tonfall in der Kommunikation mit dem Kind
der natürliche, zärtliche Körperkontakt mit dem Kind
Es fällt ihr auch auf, dass ihr Kind viele Signale sendet, die den Wunsch nach Kontakt und Zuwendung deutlich ausdrücken.
Die Aufzeichnungen ermutigten die Mutter, sich bewusst und noch öfters mit dem Kind zu unterhalten und vor allem beim Wickeln genügend Zeit und Muße einzuplanen.


Videobetrachtung mit Frau B., Mutter eines dreijährigen Sohnes beim gemeinsamen Spiel:

Frau B. sieht die gelungenen Interaktionen zwischen sich und ihrem Sohn:

  • die Freude beim gemeinsamen Spiel
    der harmonische liebevolle Umgang miteinander
    die vielen Spielideen des Sohnes
    die Fähigkeit des Sohnes konzentriert zu spielen
    die Aufmerksamkeit des Sohnes gegenüber den Äußerungen der Mutter

Sie bemerkt auch, dass sie das Spiel des Kindes öfters unterbricht, stark eingreift, indem sie ihre eigenen Ideen zum Spielverlauf durchsetzt.
Die Mutter entdeckte mit Hilfe und Begleitung der Betreuerin beim Auswertungsgespräch  Signale ihres Kindes wahrzunehmen bzw. anders zu interpretieren und zu verstehen.


Bei konsequentem und regelmäßigem Einsatz wird immer wieder bestätigt, dass durch die videogestützte Beratung eine sichtbar positive Veränderung in der Mutter-Kind-Bindung eintritt. Auch wir haben bislang positive Erfahrungen gemacht. Gerade für unsere Frauen, die oft wenig positive Muttererfahrungen aufweisen, die oft ein geringes Selbstwertgefühl haben, die gewohnt sind viel kritisiert zu werden und die wenig Erfahrung haben etwas gut zu können, ist diese wertschätzende Methode besonders geeignet.
 
Diese Methode ist auch für uns Pädagoginnen eine wertvolle Erinnerung im alltäglichen Beratungsprozess, immer wieder die positiven Fähigkeiten und geglückten Situationen in unser Blickfeld zu rücken und damit zu arbeiten. 




Filmszenen ohne Glamour, aber mit Aha-Effekt
aus: SkF IMPULS des Sozialdienst katholischer Frauen e. V. München von November 2006


Eine Szene wie aus dem Familienalltag: Zwei Frauen blicken aufmerksam auf den Bildschirm. Eine von ihnen ist dort in einer Videoaufnahme zu sehen wie sie ihren kleinen Sohn wickelt, ihn zärtlich anblickt, ruhig und behutsam mit ihm spricht, ihn sanft tätschelt und liebkost. Doch es geht nicht um einen gemütlichen Filmabend, sondern um den genauen Blick auf den Umgang zwischen Mutter und Kind. Die zweite Filmzuschauerin ist Sozialpädagogin. Ausgiebig sprechen sie und die Mutter über das Gesehene.
Seit Herbst 2005 wird in den Häusern Karolina, Domicilia und Monika, Mutter-Kind-Häuser des SkF München, die Methode der videogestützten Beratung angewandt und zunehmend in die Arbeit integriert. Die positiven Elemente der Mutter-Kind-Interaktionen werden hervorgehoben und damit die Elternkompetenz und das Selbstwertgefühl gestärkt.
Wenn die Mutter gemeinsam mit der Betreuerin die Aufzeichnungen sieht, hat sie die Chance, Signale ihres Kindes selbst zu erkennen. Die Frauen sind immer wieder über das Gesehene überrascht. Häufig besteht eine Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und dem Umgang mit dem Kind in den Videoaufzeichnungen. In der Situation als Zuschauerin ihrer eigenen Aktion können sich die Mütter an der gelungenen Sequenz mit dem Kind erfreuen, gegebenenfalls Einschätzungen korrigieren und die Situation neu verstehen.
Zum Beispiel die Mutter eines dreijährigen Sohnes: Die Aufnahmen zeigen deutlich die Freunde beim gemeinsamen Spiel, den harmonischen Umgang miteinander. Die Mutter nimmt als Zuschauerin wahr, wie viele Spielideen der Sohn hat, wie konzentriert er ist und trotzdem hoch aufmerksam für die Äußerungen seiner Mutter. Sie bemerkt auch, dass sie das Spiel des Kindes öfters unterbricht, stark eingreift, indem sie ihre eigenen Ideen zum Spielverlauf durchsetzt.
Die Erfahrung beim regelmäßigen und konsequenten Einsatz dieser Methode im Haus Karolina zeigt, dass eine sichtbar positive Veränderung in der Mutter-Kind-Bindung eintritt. Gerade für Klientinnen, die oft wenig positive Muttererfahrungen aufweisen, nur ein geringes Selbstwertgefühl haben, die viel kritisiert werden, ist diese wertschätzende Methode besonders geeignet.


Marianne Huber-Maul