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Babyfenster / Babyklappe und Anonyme Geburt
Die Möglichkeit der anonymen Abgabe und Geburt von Kindern wird als Alternative zur Kindesaussetzung oder Kindestötung diskutiert und in Form des “Babyfensters” oder des “Projekt Moses” – um nur zwei gängige Titel zu nennen – als Hilfeangebot vielerorts umgesetzt. In den letzten zwei Jahren hat dieses Thema hohe Aufmerksamkeit und Popularität von Seiten der Öffentlichkeit, der Politik, der Kirche und den Medien erfahren und eine eigene Dynamik entwickelt.
Seit 1999 haben etwa 20 SkF-Ortsvereine unter den Bezeichnungen “Babyfenster”, “Moses Projekt”, “Anonyme Wiege” etc. ein Hilfeangebot konzipiert und umgesetzt, das Frauen, die ihre Schwangerschaft vor ihrem sozialen Umfeld geheim gehalten haben oder geheim halten wollen, die Möglichkeit eröffnet, ihr Kind in sichere Obhut zu geben. Die Bezeichnungen der Projekte sind zwar unterschiedlich, als gemeinsames Ziel des Engagements, lässt sich aber formulieren: “Frauen erreichen und Kinder schützen.” Die Konzepte sind darauf ausgerichtet, Kontakt zu den Frauen zu bekommen, um Beratung und Hilfe anzubieten, Revisionsmöglichkeiten für die Mütter zu sichern und im Interesse der Kinder das Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung möglichst weitgehend zu gewährleisten.
Auch in der Ausgestaltung des Hilfeangebotes “Anonyme Geburt” wird versucht, den verfassungsrechtlichen Herkunftsanspruch des Kindes so weit wie möglich zu sichern. Die SkF-Ortsvereine, die sich hier engagieren, bieten in Kooperation mit Krankenhäusern deshalb ein gestuftes Beratungs- und Unterstützungsangebot für Frauen, die eine Entbindung unter Wahrung der Anonymität wünschen. Überwiegend erfolgt die Kontaktaufnahme mit der Frau nach der Entbindung. In dieser Situation wird versucht, mit ihr eine Perspektive für ein Leben mit dem Kind zu entwickeln oder Alternativen hierzu zu erarbeiten. Bei Aufrechterhaltung der Anonymität soll die Frau dazu bewegt werden, Daten für das Kind zu hinterlassen, die ihm späterhin Aufschluss über seine Abstammungsverhältnisse geben. Zum Teil gelingt es auch, Frauen vor der Entbindung zu erreichen und zu beraten, so dass es nicht zu einer anonymen Geburt kommt.
Die bisherigen Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass eine Mehrzahl der Frauen bei Zusicherung ihrer Anonymität für eine Beratung offen sind und sich dazu entschließen können, ihre Identität – im Nachhinein – offen zu legen.
Weiterführende Infos:
- Regine Hölscher-Mulzer: Babyklappen und anonyme Geburt. Facetten eines innerverbandlichen Diskurses
veröffentlich auch in: Salzkörner 17. Jg Nr. 2/2011, Zentralkomittee der deutschen Katholiken ZdK
- Neues DIJuF-Gutachten zu Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Abgabe von Kindern in einer Babyklappe
Das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) hat am 14.01. in Berlin zusammen mit dem Hamburger Familiensenator ein Rechtsgutachten zum Betrieb von Babyklappen vorgestellt. Grund für den Hamburger Gutachtenauftrag waren rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Abgabe von Kindern in einer Babyklappe und der damit verbundenen Zusammenarbeit zwischen den Betreibern von Babyklappen und den Jugendämtern. Eine Zusammenfassung des Rechtsgutachtens findet sich in der Pressemitteilung der Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz: Dr. Meysen, Leiter des DIJuF und einer der Autoren, zum Rechtsgutachten: „Babyklappen sind in einem engen rechtlichen Rahmen erlaubt. Die im Gutachten beschriebenen Regeln ermöglichen den Betrieb von Babyklappen und zeigen gleichzeitig auf, wie die Rechte und das Wohl der abgelegten Kinder und auch ihrer Mütter geschützt werden können”.
- Öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates am 23. Oktober 2008 zum Thema “Anonyme Geburt/Babyklappe”: Wortprotokoll, Vorträge und Präsentationen
- Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der FDP zu Erfahrungen mit anonymer Geburt und Babyklappe Bundestagsdrucksache 16/7220
Aus der 36-seitigen Antwort geht hervor, dass die Bundesregierung derzeit noch keine Aussage über die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung der anonymen Geburt machen kann. (15.11.2007)
- Studie zur Anonymen Geburt des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen „Anonyme Geburt - Moses-Projekt in Bayern. Eine Machbarkeitsstudie“ (58 Seiten)
- Interview mit Gaby Hagmans zum Thema “Anonyme Geburt” in der Sendung “frauTV”
am 16. März 2005, um 22.00 Uhr im WDR
- SkF gegen ein generelles Recht auf anonyme Geburt
- SkF-Frühjahrszentralrat 2004: Untersuchung zu Babyklappen beschlossen: Beiträge der Referenten
- Stellungsnahme vom 30.05.2001
- Informationen zum aktuellen Stand der Diskussion um die anonyme Geburt / Babyfenster / Projekt Moses (Stand 01.07.02)
- Positionspapier zum Thema Anonyme / Vertrauliche Geburt (liegt als PDF-Datei vor)
- Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. legt Eckpunktepapier zum Thema
“Vertrauliche Geburt” vor (6. August 2003)
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