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Pressemitteilung
Allein Erziehende sind Seismograf für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen
Düsseldorf, 24. Oktober 2006 – „Das Reden über Familien von allein Erziehenden hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Heute hat sich ziemlich übereinstimmend in allen Parteien die Meinung durchgesetzt, dass Familie da ist, wo Kinder sind und dass alle Lebenszusammenhänge, in denen Kinder aufwachsen, gleichermaßen schutzbedürftig sind und in besonderem Maße gefördert werden müssen.“ Mit dieser Feststellung leitete Dr. Gudrun Cyprian, Professorin für Soziologie am Fachbereich Soziale Arbeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, in einen vergleichenden Überblick über „die gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage allein Erziehender und ihrer Kinder zwischen 1986 und 2006“ ein. Im Jahr 1986 haben der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende (AGIA) gegründet, der sich später die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Familienbildungsstätten (BAG FBS) als Trägerverbände anschlossen. Gestern ist in Düsseldorf das 20jährige Bestehen der AGIA gefeiert worden, deren Ziel es war und ist, zur Verbesserung der materiellen und sozialen Situation allein Erziehender und ihrer Kinder beizutragen.
Noch vor zwanzig Jahren, so Dr. Cyprian, kamen Analysen zur Armutssituation in Deutschland durchgängig zu dem Schluss „Armut ist weiblich“. Diese allgemeine Zuschreibung sei heute nicht mehr aufrechtzuerhalten. Das Armutsrisiko von Frauen spitze sich heute auf die Lebenssituation von allein erziehenden Müttern zu und setze sich fort in der überproportional hohen Armutsbetroffenheit von Kindern. Ein erstes Ergebnis aus dem Überblick laute: „Die schlechte Einkommensposition der allein Erziehenden stagnierte mit einigen Schwankungen über die zwei betrachteten Jahrzehnte. Wie es Ein-Eltern-Familien in diesem Land geht, ist gleichzeitig ein Indikator für den Erfolg oder Misserfolg verschiedener gesellschafts- und familienpolitischer Ziele.“ Armut von Haushalten allein Erziehender bleibe ein deutliches Zeichen für die nicht genügend wirksame Bekämpfung von Armutssituationen für Kinder. Die Schwierigkeiten allein erziehender Frauen bewiesen überdeutlich, dass die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit besonders wenn kleine und/oder mehrere Kinder dem Haushalt angehören, in Deutschland immer noch schlecht sind. Zudem seien die öffentliche und damit verlässliche Kinderbetreuung und betriebliche Rücksichtnahme auf Elternpflichten immer noch Wunschbild.
Die Vorsitzenden der AGIA-Trägerverbände, Magdalena Bogner, kfd, Ingrid Fischbach, KDFB, Maria Elisabeth Thoma, SkF, Dr. Brigitt Schwarzmann, BAG FBS und Birgit Zenker, KAB, stellten abschließend übereinstimmend fest, die Situation allein Erziehender und ihrer Kinder sei inzwischen als Seismograf für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Probleme wahrzunehmen. Das müsse als Warnsignal verstanden und aufgegriffen werden. Zudem müsse entschieden darauf gedrängt werden das Grundprinzip der Solidarität nicht aufzugeben, was beispielsweise bei der Gesundheitsreform drohe, weil ansonsten das bisherige gesellschaftliche System insgesamt ins Wanken geraten könnte. (Honorarpflichtige Fotos sind bei KNA-Bild abrufbar.) (16/06)
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