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Da sein, Leben helfen  

Den Blick nach vorn

Sie sind drei von knapp dreißig jungen Flüchtlingen an diesem Abend in Bochum-Grumme. Kadiatou (17), Mohammed (18) und die 18-jährige Oumou sind vor dem zweiten Advent auf Einladung des SkF zum Vorweihnachts-Treff ins Gasthaus Goeke, im Grumbecktal, gekommen. Ihre Herkunft aus Afrika eint die Jugendlichen. Und ihr unbedingter Wille, in Deutschland Fuß zu fassen. Sonst hätten sie allein den für alle sicher höchst unterschiedlichen Weg aus Gambia und Guinea nach Deutschland nicht gewagt. Sie kamen als „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, wie es das Rechtsdeutsch sagt.

Doch Oumou, die mit ihrer Ehrenamts-Begleiterin und SkF-Patin Dagmar Forster ins Gasthaus gekommen, fasziniert die Verlosung hier mehr als Fragen nach ihrer Geschichte. Darüber berichtet sie höflich auf Nachfrage kurz zwischen gespannten Blicken auf ihre Losnummern. Gespendete Gewinne reichen von Süßigkeiten über Kleidung bis hin zu Fußball-Fanartikeln. Zum Abend gehört neben einem Buffet auch typisch Deutsches und Musik. Während sich Mohammed, schon seit zehn Jahren Bayern-Fan, über Krug und Kappe im Rot-Weiß der Münchener freut, berichtet Oumou, die Altenpflege sei für sie das Ziel. Die Freundschaft zu Mamadou, ebenfalls Gast des SkF, kann sie auf diesem Weg bis zur beruflichen Integration und der möglichen Anerkennung des Bleiberechts stärken. Den 18-jährigen Landsmann aus Guinea lernte sie im Wattenscheider Sprachkurs kennen. So weit ist Kadiatou mit ihren 17 Jahren noch nicht. Die offene und selbstbewusste junge Frau mit markant- dunkler Brille versteht nach sechs Monaten in Bochum gut Deutsch. Beim Sprechen und im Wortschatz der neuen Sprache muss sie aber noch weitere Aufgaben meistern. „Über den Beruf kann ich noch nicht nachdenken“, weiß sie darum. Das soll dann aber auch an diesem Abend einmal kein Thema sein.

„Für uns war das heute die erste Adventsfeier für aktuell über 60 minderjährige Flüchtlinge, die 26 Ehrenamtliche parallel zu uns als Vormünderinnen begleiten", sagt Birgit Carduck vom SkF. Die Fachbereichsleiterin für die Vormundschaften ist mit ihrer Kollegin Gerlinde Kühlem froh über Unterstützung. Bochumer Firmen, Voßwinkel, aber vor allem auch Schalke 04 und sogar der FC Bayern München wie auch Einzelspenden hatten den Abend, die Verlosung und kleine Gutscheine für die Flüchtlinge mitfinanziert. Carduck ergänzt: „Mit der Feier wollen wir uns ausdrücklich auch bei unseren Ehrenamtlern bedanken. Sie sind tagtäglich Ansprechpartnerinnen für die Flüchtlinge und auf unterschiedliche Weise für sie Begleitung in der Freizeit und auf dem Bildungsweg.“

Für Mohammed, der schon in Gambia mit seinem Onkel im Video-Club alle Bayern-Spiele verfolgte, hat dieser Weg verglichen mit anderen vielleicht schon die konkreteste Richtung. Er fand Beschäftigung in dem Projekt „Start in den Beruf“ bei der Firma Evonik. Sein Einkommen in dem von Carduck vermittelten sozialversicherungspflichtigen Job bot auch die Chance, eine kleine Wohnung zu beziehen. „Bald will ich Anlagenmechaniker-Azubi werden“, erklärt er in gutem Deutsch. Freunde unter Deutschen und Flüchtlingen hat er schon. Mohammed lacht: „Da kann ich auch bei kleineren Anfeindungen als Bayern-Fan im Ruhrgebiet problemlos Ruhe bewahren.“

Ulrich Wilmes, freier Journalist