Servicematerial

Dolmetschen im Gesundheitswesen

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ); Dolmetschen im Gesundheitswesen  (PDF), Fachliste Medizin, Pharmazie und Medizintechnik In dem kostenlosen Verzeichnis sind mehr als 350 auf den medizinischen Bereich spezialisierte Dolmetscher und Übersetzer aufgeführt. Es gibt laut BDÜ Sprachexperten für mehr als 30 Sprachen.

Zusammen mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen hat Netzwerk für traumatisierte
Flüchtlinge in Niedersachsen e. V. das Sonderheft “Psychotherapie zu Dritt – über die Arbeit mit Dolmetschern in therapeutischen Gesprächen” herausgegeben. Das Heft kann für vier Euro beim NTFN unter ntfn-ev@web.de bestellt werden.

Gesundheitsrelevante Fachinformationen

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 14. Januar den „Ratgeber Gesundheit für Asylsuchende in Deutschland“ veröffentlicht. Das Ethno-Medizinische Zentrum e. V. hat das BMG bei der Erstellung des Ratgebers unterstützt. Der Ratgeber ist aktuell in den Versionen Deutsch, Englisch, Arabisch, Kurdisch-Kurmanci und Paschto erhältlich. Er kann unter www.ratgeber-gesundheit-fuer-asylsuchende.de oder per E-Mail  bestellt werden. Weitere Infos: www.bmg.bund.de/online-ratgeber-fluechtlinge  

Asylsuchende und Gesundheit Informationen des Robert Koch-Instituts

Menschen ohne Papiere, wie zum Beispiel Menschen ohne Aufenthaltsstatus, erhalten in vielen deutschen Städten in den sogenannten „Medibüros“ schnelle, kostenlose und unbürokratische Hilfe. Ein detaillierter Überblick über die Standorte findet sich hier .

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e. V. (BAfF) hat auf ihrer Website eine Übersicht aller Psychosozialer Beratungsstellen des BAfF eingestellt. Für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer sind es die Psychosozialen Zentren , die professionelle Hilfe leisten. Es gibt dreißig solcher Zentren in ganz Deutschland.   

Das Internetportal der BZgA rund um die Gesundheit und Entwicklung von Kindern Kindergesundheit-Info bietet eine fachliche Fülle für die Arbeit mit Kindern.

 
Da sein, leben helfen  

Reisepass

„Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird. (…) Und doch kann man behaupten, dass der Mensch in gewisser Hinsicht für den Paß notwendig ist. Der Paß ist die Hauptsache, Hut ab vor ihm (…).“
Bertold Brecht, „Flüchtlingsgespräche“

Asylsuchende in Deutschland haben unter 15 Monaten Aufenthalt Zugang zu medizinischer Versorgung bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen (§ 4 Abs. 1 AsylbLG)

Gesundheit für alle

„Gesundheit für alle – einschließlich der Menschen, die in Deutschland humanitären Schutz ersuchen“ sollte das Ziel der Gesellschaften und politischen Engagements sein. Das Bild von Geflüchteten in Europa wird von allein reisenden jungen Männern geprägt. Doch tatsächlich sind nach Schätzungen der UN ca. 80 % der Flüchtlinge weltweit Frauen und Kinder, die sich genauso wie Männer aufgrund von Krieg, Konflikten, Folter und Menschenrechtsverletzungen, Armut, Hunger, mangelnder Bildung, der Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel auf die Flucht begeben.

Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Ängste und Entwicklungsprobleme gehören zu den häufigsten Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Traumatische Erlebnisse gehen mit überwältigenden Gefühlen von Angst, Hilf- und Ausweglosigkeit einher. Ungefähr 40 % der jungen Flüchtlinge leiden unter ernstzunehmenden psychiatrischen Erkrankungen. Jenseits posttraumatischer Belastungsstörungen zeigen Untersuchungen in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland, dass ein substanzieller Anteil der dort begleitet lebenden Kinder und Jugendlichen zumindest zeitweise auf die Belastungen vor, während und nach der Flucht mit psychischen Auffälligkeiten reagiert. (Gavranidou M. et. Al., (2008). Traumatische Erfahrungen, aktuelle Lebensbedingungen im Exil und psychischer Belastung junger Flüchtlinge. Kindheit und Entwicklung 17(4), 224-231. Hogrefe Verlag. Göttingen) Neben Unterstützungsangeboten für Kinder und Jugendliche selbst spielen psychische Belastungen der Eltern hier eine besondere Rolle. Die meist für die Versorgung der Kinder verantwortlichen Mütter sind oft psychisch erschöpft und für die Kinder emotional nicht zu erreichen. (Adam, H. Walter, J. (2012) Last und Kraft beschädigter Eltern – Wie Flüchtlingskinder im Exil gesund aufwachsen können. Themenheft der Prax. Kinderpsych. Kinderpsychat., Heft 8/2012, S. 584-609. Vandenhoeck und Ruprecht GmbH und Co. KG, Göttingen) Ein Weg zum Kindeswohl führt daher über die Förderung des Elternwohls. Laut Kindler (2014) lässt sich belegen, dass positive Beziehungen zu Eltern, aber auch weiteren unterstützenden Erwachsenen helfen, Belastungen zu überwinden. (Kindler, H. (2014), DJI Impulse. Über das Leben junger Flüchtlinge in Deutschland Nr. 105. Deutsches Jugendinstitut, München.) Um stark traumatisierte Familien bestmöglich zu unterstützen, ist akute adäquate medizinische, psychologische und psychiatrische Unterstützung nötig. 

Asylsuchende in Deutschland unter 15 Monaten Aufenthalt haben Zugang zu medizinischer Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt (§ 4 Abs. 2 AsylbLG)  

Zahlreiche schwangere Frauen kommen als Flüchtlinge nach Deutschland. Diese haben zum Teil noch keine Vorsorge erfahren und benötigen rasche Hilfe nach der Ankunft. Teils haben Frauen ihre Kinder bereits auf der Flucht geboren und dabei keine Grundversorgung bekommen. Schwangere Frauen und junge Mütter genießen besonderen Schutz. Nach § 4 Abs. 2 AsylbLG haben Schwangere einen umfassenden Leistungsanspruch (Vorsorge, Hebammenhilfe, Geburtsbegleitung). Frühe Hilfen dürfen Asylsuchende uneingeschränkt nutzen. Dies betrifft auch andere Leistungen wie Willkommen-Cafés, Willkommensbesuche, Schwangerschaftsberatung und andere mehr.  

Die spezifischen Bedürfnisse von (werdenden) Müttern und Vätern und deren Kinder erfordern einen kultur– und gendersensiblen Blick und Umgang während des Asylverfahrens sowie in der sozialen Betreuung und Unterbringung von schutzbedürftigen Frauen und ihren Familien. Eine wichtige Rolle kommt zudem den Dolmetscher/innen zu, die in der Lage und bereit sein müssen, die erlittene Gewalt vollständig und korrekt bei den Behörden zu übersetzen. Ein sicherer Aufenthaltsstatus, eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis sowie positive Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung tragen ebenfalls zur seelischen Gesundung und zur Integration in unsere Gesellschaft bei.

Heute sind wir in einer Welt des Krieges, überall. Jemand sagte mir: Wissen Sie, Pater, dass wir im Dritten Weltkrieg sind, aber schrittweise. In Kapiteln. Es ist eine Welt im Krieg, in der diese Grausamkeiten begangen werden.“
Papst Franziskus auf dem Rückflug von Korea,
8.2014

 

Grafik Migranten

(Grafik Migranten: Das Trauma nach der Flucht – Spektrum der Wissenschaft zitiert nach Yousun Koh und Gehirn&Geist; Heinzelmann, A. nach: Traumaspuren: Flatten, G. et al.: S3 – Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. In: Trauma & Gewalt Heft 3/2011, S. 202–210; Übergriffe auf Flüchtlingsheime: Polizeiliche Kriminalstatistik, Bundesinnenministerium (2015); Wirkung des Aufenthaltsstatus: Gerlach, C., Pietrowsky, R.: Trauma und Aufenthaltsstatus: Einfluss eines unsicheren Aufenthaltsstatus auf die Traumasymptomatik bei Flüchtlingen. In: Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 1/2012; © Foto: iStock / FooTToo)

Aus der Praxis der Ortsvereine
Aus den Ortsvereinen des SkF werden insbesondere Bedarfe nach Betreuung der Familien durch Familienhebammen und andere Maßnahmen deutlich.

SkF Trier
Begleitung schwangerer Asylsuchende; Schwangeren wird eine Unterstützung und Begleitung durch eine fachlich qualifizierte Beraterin und eine ehrenamtliche Schwangerschaftsbegleiterin angeboten. Die Begleitung zu medizinischen und sozialen Einrichtungen baut Schwellenängste ab und Vertrauen auf. Für diese Aufgabe werden Ehrenamtliche qualifiziert. https://www.skf-trier.de/

SkF Ingolstadt
Installierung einer Familienhebammenhilfe für Asylsuchende im Rahmen der offenen Hebammensprechstunde im SkF Ingolstadt und in der Erstunterkunft für Asylsuchende. http://www.skf-ingolstadt.de/

SkF Hamburg Altona
Mit dem Gruppenangebot „SICHER ANKOMMEN“ – Flüchtlings – Beratung für Frauen, Familien und Schwangere erfolgt eine Einführung in das Gesundheitssystem und in die Abläufe rund um die Geburt in Hamburg. Zusätzlich wird ein Gruppenangebot „Deutsch rund um die Geburt“ angeboten. Hier werden die entsprechenden Begriffe in deutscher Sprache bildhaft erläutert und geübt. http://www.skf-altona.de/  

 

Marietta Wagner

Autorin:
Marietta Wagner
Sozialarbeiterin
Referentin Frühe Hilfen